



|
|
Gabriela Dreßel
Strukturen mittelalterlicher Mirakelerzählungen in Bildern
Ausgewählte Beispiele der französischen Glasmalerei des 13. Jahrhunderts
222 S., 38 Abb. EUR 30,- ISBN 978-3-89235-728-5
 |
Während eine Legende Stationen aus dem Lebensweg eines Heiligen als Vorbild für die Gläubigen gestaltet, versteht man unter einem Mirakel eine abgeschlossene Episode, in der ein Mensch durch den wundertätigen Eingriff eines Heiligen aus einer Notlage gerettet wird. Zwar lassen sich Mirakel schon seit dem 4. Jahrhundert nachweisen, aber ihre größte Verbreitung finden sie im Mittelalter, besonders in Frankreich. Thematisch am häufigsten vertreten sind die Marienmirakel.
Erstmals werden hier Strukturkennzeichen von Mirakelerzählungen, die in der Vergangenheit lediglich anhand von Textfassungen formuliert wurden, für Bilderzählungen kritisch gesichtet, zusammengestellt und damit die Gattung Mirakel als eigenständig klassifiziert. Die Anwendung der erarbeiteten Merkmale auf ausgewählte Bilderzählungen französischer Glasfenster des 13. Jahrhunderts macht deutlich, welche Analogien, aber auch Differenzen sich zwischen Text- und Bild-Mirakelerzählungen ergeben und auf welche Weise Bilderzählungen Charakteristika der Gattung Mirakel in die ihnen eigenen Möglichkeiten transferieren. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Tiefenstrukturen der Mirakelerzählungen. – Die Analyse richtet sich auf zwei Themenkomplexe, die durch ihre herausragende Popularität im Mittelalter verbunden sind: die Mirakel des hl. Nikolaus und das Marienmirakel des Teufelsbündners Theophilus. Nikolaus und die Gottesmutter fungieren als universelle Helfer, zuständig für die verschiedensten Bereiche und Personengruppen. Die Arbeit stellt zunächst die einzelnen Mirakel gemeinsam mit ausgewählten Bilddarstellungen vor, um daran anschließend die Erzählungen der Fenster anhand konstitutiver Merkmale der Gattung Mirakel zu untersuchen. Nicht zuletzt wird dabei deutlich, daß die Glasfenster des 13. Jahrhunderts als eigenständige Erzählungen mit bestimmter Logik zu lesen sind, nicht etwa als bloße Illustration von textuellen Fassungen. |
|
|