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Katalog > Kunst- und Kulturwissenschaften > BEITRÄGE ZUR KUNSTWISSENSCHAFT (BZK) > Band 63

Folkhard Cremer

Die Nikolaus- und Heiligblut-Kirche zu Wilsnack (1383-1552)

Eine Einordnung ihrer Bauformen in die Kirchenarchitektur zwischen Verden und Chorin, Doberan und Meißen im Spiegel bischöflicher und landesherrlicher Auseinandersetzungen
Teil I: Textband, Teil II: Abbildungsband


416 und 192 S., 295 Abb.
EUR 60,- ISBN 978-3-89235-063-7

 

Im Spätmittelalter europaweit berühmt und berüchtigt, heute nur noch Eingeweihten vertraut ist der Name Wilsnack. In der St. Nikolaus- und Heiligblutkirche spielte sich bis 1552 die theologisch vielleicht umstrittenste, gleichzeitig jedoch vom gemeinen Volk am stärksten frequentierte Wallfahrt Nordeuropas ab. Johannes Hus und Martin Luther war das Wilsnacklaufen ein Dorn im Auge. Die Einführung der Reformation bereitete den Pilgerströmen ein abruptes Ende.

Baubeschreibung nach der Funktion und Auswertung der Schriftquellen bilden die Basis der umfassenden Untersuchung der Wilsnacker Kirche und ihrer Ausstattung. Neben der Darstellung des Wallfahrtsbetriebs am Jahrestag der Auffindung der Bluthostien wird Fragen nach der Herkunft der Bauformen der Kirche und der Entwicklungsgeschichte des Ortes vom Dorf zur Minderstadt des Havelberger Bischofs nachgegangen.
Der Legende nach bildeten sich 1383 auf drei konsekrierten Hostien Blutstropfen. Die Dorfkirche wurde durch eine größere Wallfahrtskirche ersetzt. Dem Ort gelang ein enormer wirtschaftlicher Aufschwung. In wenigen Jahren weitete sich das Einzugsgebiet der Wallfahrt bis in die Niederlande, nach Skandinavien und Böhmen aus. Schon 1396 waren die Einnahmen so groß, daß die Errichtung des Havelberger Lettners und einer Stiftskirche in Wilsnack finanziert werden konnten. Das Stiftskirchenprojekt wurde jedoch nach der Vollendung von Chor und Querhaus um 1412 gestoppt. Anhand der Einordnung der Baugeschichte in den bistums- und territorialgeschichtlichen Kontext, der Untersuchung der Bedeutung der Kirchenorganisation für die Architekturtypologie und der Entwicklung eines Modells einer allgemeinen Typologie der Kloster- und Stiftskirchenarchitektur wird der Nachweis geführt, daß die Architektur an der des Klosters Scharnebeck und der Dome zu Verden, Havelberg, Bremen, Schwerin, Magdeburg und Meißen orientiert ist und nicht an der von Propstei- bzw. Archidiakonatskirchen wie etwa St. Johannis zu Lüneburg. Erst im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert konnte ein Langhaus in Anlehnung an die (alt-) märkische Stadtpfarrkirchenarchitektur realisiert werden.